00:00:08: Wenn über Neurodiversität gesprochen wird, fallen häufig Begriffe wie ADHS oder Autismus.
00:00:14: Obwohl zum Beispiel auch Legasthenie oder Tourette dazugehören.
00:00:18: In dieser Folge geht es vor allem um ADHS und Autismus bei jungen Erwachsenen und der Doppeldiagnose Audi HD.
00:00:27: Für manche sind die Diagnosen eine wichtige Erklärung für Schwierigkeiten, die sie lange nicht einordnen konnten.
00:00:33: andere erleben, dass ihre Erfahrungen nicht ernst genommen oder als Mode-Diagnosen abgetan werden.
00:00:38: Wir sprechen deshalb darüber wie neue divergente Menschen ihre Umwelt erleben und welche Unterstützung sie brauchen – insbesondere beim Übergang von Schule in Ausbildung Studium und Beruf.
00:00:49: Ich spreche mit Taiji über den Weg zur Diagnose und darüber was Taiji in Selbsthilfegruppen gefunden hat Was in der Therapie gefehlt hat.
00:00:58: Außerdem
00:00:58: ist
00:00:59: Birgit Maria Stubner zu Gast.
00:01:01: Sie begleitet junge Menschen mit ADHS und Autismus beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf.
00:01:08: Und engagiert sich bei Wohnzimmer Neurodiverse als Mitglied, Moderatorin und im Fachbeirat.
00:01:14: Sie ist Ergotherapeutin, Sozial- und Bildungswissenschaftlerin und Selbstteil einer neurodiversen Familie.
00:01:20: Wir sprechen heute darüber was Neurodiversität bedeutet welche Rolle Diagnosen spielen und warum Selbsthilfe für viele Menschen ein wichtiger Anker sein kann.
00:01:29: Schön, dass ihr dabei seid.
00:01:30: Herzlich willkommen zur echte Stimme dem Berliner Selbsthilfe Podcast!
00:01:34: Ich bin Anne, eure Moderatorin.
00:01:57: Tati,
00:01:58: wann hast du zum ersten Mal gemerkt dass du in Anführungsstrichen anders funktionierst als viele Menschen in deinem Umfeld?
00:02:05: Im Grunde schon als Kind.
00:02:07: In Kindergarten.
00:02:09: teilweise habe ich gemerkt das ich oft falsch verstanden werde sowohl von anderen Kindern also auch von Erwachsenen wobei es bei Kindern noch der andere Kinder habe ich ja auch nicht verstanden und so weiter.
00:02:19: und da dachte ich ja ist halt normal man kann sich ja nicht verstehen.
00:02:22: Ich war auch früh Science-Fiction-Fan durch meinen Vater und wusste dann schon viel von Telepartie.
00:02:31: Wir haben leider keine Teleparties, wir können uns nicht nonverbal verständigen usw.
00:02:37: Und wir müssen ja miteinander reden.
00:02:40: Das war Kommunikation immer wichtig für mich aber es war trotzdem irgendwie immer schwierig.
00:02:45: Ansonsten mit ... Fortlaufendem Alter dann natürlich mehr Probleme mit Autoritätspersonen gehabt.
00:02:53: Wo mir denn immer gesagt wurde, ich habe Probleme mit autorität und das wurde mir dann immer wieder negativ angeheftet.
00:02:58: Und das war dann im Grunde bis heute für jeden der nicht versteht was bei mir los ist und Ich hab es ja selber nicht verstanden.
00:03:06: Ich habe ein starkes Gerechtigkeitsgefühl und Das hat oft dann eben dazu geführt dass ich eben dieses autoritätsproblem haben Weil Leute, wenn sie älter sind oder nur weil Sie um bestimmte Positionen haben der Weinung sind.
00:03:20: Sie haben immer Recht und könnten mit jedem machen was sie wollten usw.
00:03:23: Das habe ich mir halt nicht gefallen lassen.
00:03:25: Ich hab für mich viel festgestellt dass irgendwie etwas anders ist aber... ...ich wusste ja nicht was ist normal Und wer weiß das schon eigentlich so richtig?
00:03:33: Was is normal?
00:03:34: Ja die Gesellschaft sagt das Aber ist das wirklich normal?
00:03:37: usw.. Und dann weiss nicht hat es einfach sehr lang gedauert um zu gucken Wenn ich das Problem oder sind die anderen das Problem, ist die Kommunikation allgemein das Problem und dadurch hat es einfach sehr lang gedauert um zu checken, wonach ich suchen muss.
00:03:51: Es hat einem ja irgendwie keiner geholfen und leider kannte ich niemandem der es bei mir gesehen hat.
00:03:57: Wenn du sagst dass es eigentlich schon von Kindheit an eigentlich schon was anders bei dir war wie hast du denn dann den Übergang ins erwachsenen Leben erlebt?
00:04:06: Und mit dem heutigen Wissen vielleicht woran... Würdest du heute merken, dass das nicht nur Pubertät ist?
00:04:14: Damals dachte ich natürlich viel so.
00:04:15: Es wäre Pubertäd, weil es auch einem viel gesagt wird.
00:04:19: Sobald man irgendwie ein bisschen aufmüpfelig wird, ist es ja sofort Pubertä.
00:04:23: Also ich war viel einsam.
00:04:25: tatsächlich also Ich hatte zwar Freunde, dachte ich zu damaligen Zeit und ich war ja auch bei meiner Familie aber auch die war nicht viel zu Hause.
00:04:34: Es war viel am arbeiten.
00:04:36: getrennte Eltern und so Meine Geschwister waren dann auch irgendwann weg, die sind zu meiner Mutter.
00:04:41: Ich bin bei meinem Vater geblieben und irgendwie war sehr viel mit sich alleine klarkommen und selbstständig werden und da war irgendwie nicht so viel Zeit für Reflexion.
00:04:52: ich dachte halt wirklich das an damals ja dass ist Pubertät.
00:04:55: mittlerweile bin ich da natürlich schlauer weil ich mich informiere und weiß was jetzt mit mir los ist.
00:05:02: aber das war schwer damals auf jeden Fall.
00:05:06: also alt werden, sag ich mal.
00:05:08: Also älter werden vom Kind zum Teenager und dann ins jungen erwachsenen Alter war unglaublich kompliziert mit so viel hinterfragen.
00:05:20: Ich glaube das bei mir da auch schon... oder was heißt ich?
00:05:23: Ich glaube mittlerweile weiß ich dass bei mir zb auch schon die Depression angefangen haben.
00:05:28: Ich dachte immer ausziehen hilft mir wenn meine Eltern mich so also mein Vater in dem Fall mich so gestresst hat.
00:05:34: Und dann war ich total erleichtert, endlich in meiner ersten eigenen Wohnung zu sein.
00:05:38: Ich bin damals mit meiner mittleren Schwester zusammengezogen also es war so WG-mäßig aber trotzdem hat sich das unglaublich gut angefühlt von dieser Autorität Elternschaft wegzusehen.
00:05:47: Aber es macht's ja nicht leichter.
00:05:49: Also was man denn auf einmal noch zusätzlich alles dazu machen muss.
00:05:53: Was waren das für Dinge, die für dich schwieriger wurden auch im Hinblick auf was du heute über deine Diagnosen weißt?
00:06:01: Ja in Kombination mit dem Erwachsenwerden Teenager Alter.
00:06:06: Was war das, was so schwierig wurde?
00:06:08: Also eigentlich immer noch die gleichen Schwierigkeiten, die ich heute immer noch habe.
00:06:12: natürlich spielen ganz stark mit rein.
00:06:15: also suche nach einem Job einen Job behalten können sehr schwierig allein wegen diesem Autoritätsproblem und was ja eben ein Sinn für Gerechtigkeit ist.
00:06:29: Und den richtigen Gerechtigkeitsgefühl hat man im Arbeitsleben selten als angestellte Person.
00:06:35: Ich glaube, dass man irgendwie faul wirkt, obwohl man einfach durch das, was man alles machen muss keine Energie mehr für bestimmte Sachen hat viel häufiger zum Beispiel Freunden absagen müssen weil man nicht kann.
00:06:50: Und damals dachte man aber, man hat keine Lust und andere sagen ja dann auch.
00:06:56: Wenn du einfach keine Lust hast, dann sagt es doch einfach... ...und ich bin so Ja, aber ich hätte ja Lust mich mit den Leuten zu treffen!
00:07:04: Ich hatte ja Lust diese Arbeit zu machen, sonst hätt' ich mir die nicht gesucht.
00:07:08: Also ich habe mir eigentlich immer nur Jobs gesucht auf die ich wirklich Lust hatte.
00:07:12: Nur in ganz seltenen Fällen war ich dazu gezwungen einen bestimmten Job zu machen.
00:07:16: Das war halt vom Jobcenter oder ähnlichen Anbietern her und das hat auch wirklich dann immer gar nicht lang gehalten.
00:07:23: Aber ich hatte ja immer Lust, aber es ging einfach irgendwann nicht mehr.
00:07:25: Das ist wie so eine Mauer die ich in meinem Kopf erst erklettern muss und allein das hat so viel Energie gekostet.
00:07:33: wenn ich oben angekommen bin war schon so okay.
00:07:35: jetzt ist eh schon zu spät da kann ich's auch wieder sein lassen.
00:07:38: Bei mir persönlich ist es nicht bei jedem so aber bei mir persönlich is es vor allen Dingen dieses Starten von Dingen war immer ein großes Problem.
00:07:48: Und sobald man natürlich aus dem Elternhaus raus ist oder auch eigentlich schon davor wird, der dann von den Eltern ab einem gewissen Alter erwartet, dass du Dinge tuest.
00:07:58: Von dir aus sie sagen es dir dann ja suchen Job zum Beispiel eine Ausbildung oder mit der Uni oder sowas und dann soll man ja irgendwie ein bisschen abgenabelt werden und das es einem nicht mehr alles übernommen wird von Eltern.
00:08:13: In meinem Fall musste ich sowieso immer von alles alleine machen, aber es wurde trotzdem mir erwartet und dann immer wieder gefragt, na hast du schon was gefunden?
00:08:21: Und dieser Stress der dadurch dann immer noch oben drauf kam hat das alles noch schlimmer und unmöglicher gemacht.
00:08:27: Dann sieht man das aber irgendwie bei den Gleichaltrigen... ...und die kriegen's aber irgendwie geschissen, sag' ich jetzt einfach mal, die kriegen sie geschafft!
00:08:36: Wie machen die das?
00:08:38: Warum ist das bei denen
00:08:39: möglich?!
00:08:40: Also du hast einmal gesagt, dieses starke Autoritätsproblem, das Gerechtigkeitsempfinden keine Energie zu haben.
00:08:49: Ja so dieses Aufschieben oder keinen Antrieb haben Dinge zu beginnen.
00:08:54: Was sind noch mehr Symptome sage ich jetzt mal in Anführungsstrichen?
00:08:58: Woran du gemerkt hast dass du ADHS bzw.
00:09:02: Autismus hast.
00:09:04: Mir ist sehr viel aufgefallen im Nachhinein durch die Diagnose weil im Laufe der Jahre und des Erwachsenwerdens ich mir sehr viele Masken angezogen habe.
00:09:14: Also, ich war sehr oft in Situationen, in denen ich selber teilweise manchmal gemerkt habe dass ich mich verstelle.
00:09:24: Ich funktioniere nur wenn ich so-und-so gerade bin also bin ich jetzt so-and-so.
00:09:28: Ich hab' mir sehr oft die Verhaltensweisen meiner Mitmenschen in der jeweiligen Umgebung angeguckt und nachgeahmt Und das ist auch ein ziemlich typisches Ding bei Autisten bzw.
00:09:43: ADHD-People, um sich eben anzupassen damit man nicht ständig erklären muss und dass es auch ein großes Problem gewesen war, dass ich mich ständig erklären musste.
00:09:54: Irgendwie alles was man sagt und tut wird missverstanden und man muss es dann von vorne machen usw.
00:10:03: Was wiederum dazu führt gerade bei Tätigkeiten dass man dann faul wirkt, weil man es erst nicht macht bis es jemand anders gemacht hat damit man weiß wie man das machen soll.
00:10:15: Ich denke da bei mir zum Beispiel schulisch auf jeden Fall auch das Problem war, dass ich immer erst gezeigt kriegen musste.
00:10:23: Ich habe dadurch eben selten was von mir aus schon gemacht und es nur gesagt zu bekommen also so eine Erklärung zu bekommen von jemandem hat selten gereicht.
00:10:36: Ich brauchte immer Beispiele.
00:10:37: Es brauchte jemanden, der mir das vormacht damit ich es praktisch nachmachen kann.
00:10:46: Das wäre zumindest so schulzeitmäßig das stärkste.
00:10:50: was mir jetzt gerade einfällt Was vor allen Dingen bei mir das Problem ist und ich glaube auch bei vielen anderen das Problem war Aufregungen zum Beispiel auch ein großes Problem weil dann ganz schnell der Kopf leer ist obwohl man eigentlich an alles gleichzeitig denkt Faktor ist und auch immer Probleme gemacht hat.
00:11:12: Wo ich aber dachte, das ist bei jedem so nur dass die meisten Leute irgendwie das offensichtlich irgendwie hinkriegen den richtigen Gedanken festzuhalten um denen dann auch auszuführen oder zu sagen was sie wollen.
00:11:25: Ich glaube jetzt was ich erzähle ist zum Beispiel auch ein gutes Beispiel dafür Dass sich ein bisschen hin- und herspringer oder Ein bisschen Ausarte und Schwierigkeiten damit hat, einen Punkt zu finden um fertig zu sein.
00:11:39: Danke dir Theitie.
00:11:40: ich finde das ja eindrücklich.
00:11:41: nicht glaube dass holt einige ab.
00:11:45: auf jeden Fall vielleicht noch.
00:11:48: ergänzend hast du gemerkt dass sich deine Diagnosen in der Beziehungsgestaltung oder irgendwie auswirken?
00:11:57: Bei romantischen Beziehungen habe ich es tatsächlich nicht so gemerkt.
00:12:01: Offensichtlich hatte ich da immer das Glück, mit Personen zusammenzukommen die ja nicht selber in Neurodivergent waren.
00:12:10: Die waren safe alle neurotypisch aber die ein großes Verständnis für meine Macken hatten oder vielleicht nicht unbedingt Verständnissen.
00:12:18: Vielleicht fanden sie es auch einfach süß.
00:12:20: dann meine... Ich habe eine relativ sprunghafte Energie Da ist glaube ich dieses Autismus und ADHS-Ding was auch so'n bisschen clashed.
00:12:29: aber wenn ich Energie geladen bin, dann kann man mit mir halt praktisch alles machen und ich glaube das kommt auch immer ganz gut an.
00:12:36: Also ich bin sehr bereit irgendwie immer alles Mögliche mitzumachen und vor allen Dingen dieses Mitmachen ist halt das Ding.
00:12:44: also da hatte ich denn zum Beispiel immer eher Probleme.
00:12:47: Ich bin nicht sehr... Und es ist das gleiche wie das mit der Schule muss erst gezeigt bekommen Es muss immer jetzt jemand anfangen und dann mache ich mit.
00:12:58: Das hat zum Beispiel eher wieder Probleme gemacht auch bei romantischen Beziehungen, aber auch freundschaftliche soziale normale Beziehung normal in Anführungsstricken.
00:13:08: Du hast ja gerade auch gesagt dass
00:13:11: du
00:13:12: andere nachgeahmt hast.
00:13:14: Es gibt ja auch im Bereich der Neuridiversität den Begriff des Maskings.
00:13:20: Was waren das für Strategien mit denen du versucht hast in Anfürungsstrichen normal zu wirken oder dich an die Erwartung anderer anzupassen?
00:13:27: Dadurch, dass ich noch nicht so lange Diagnose habe und auch noch nicht solange weiß wie ich Wann Masken anziehe oder überhaupt Masken anhabe.
00:13:37: Es ist ein ganz langsamer schrittweiser Prozess gerade wo die Selbsthilfegruppe beispielsweise extrem gut hilft.
00:13:44: also das was ich mittlerweile weiß ist dass sich sehr viel zum Beispiel bei Gesprächen wenn ich in der freundschaftlichen Gruppe bin oder in einer kollegialen Gruppe Denn rede ich ganz anders.
00:13:59: Diese ständige Anpassen und irgendwie anders zu sein oder anders zu handeln als eigentlich das eigene Bedürfnis ist, was hat dich dieses Funktionieren gekostet?
00:14:10: Im Nachhinein bzw.
00:14:12: zu den damaligen Situationen wenn ich gemerkt habe, boah jetzt hab' ich mich aber ganz schön krass angepasst irgendwie oder jetzt wollte ja unbedingt gefallen dass ich mich dann geärgert habe warum versuche ich nicht so sein wie ich selbst?
00:14:22: Aber dann war gleichzeitig, ja wer bin ich überhaupt selbst?
00:14:25: Ich war sehr reflektiert immer, was so das Älter werden angeht und war dann immer so ja ich bin ja gerade in meiner Pubertät.
00:14:33: Also ich habe ja gar keine Ahnung wer ich grade bin zu wem ich werde oder werden möchte und keine Ahnung.
00:14:39: vielleicht gehört das ja dazu weil ich wusste ja nicht dass ich Maske oder sowas.
00:14:43: Ich war einfach nur so okay.
00:14:44: um in eine Gesellschaft anzukommen ob es eine kleine soziale ist oder eben die große gesamte muss man sich halt anpassen damit man funktioniert und damit einem alle mögen.
00:14:57: Das war für mich so irgendwie normal, deswegen war das so im Nachhinein... Manchmal habe ich mich geärgert dass ich Sachen mache aber gleichzeitig dachte mir so ja ist ja normal macht ja jeder.
00:15:07: Aber in The Long Term war jetzt natürlich vor ein paar Jahren Dass ich ins Burnout gegangen bin.
00:15:14: also diese ganze Verstellerei dieses Ganze funktionieren wenn ich funktionieren muss und so weiter hat dann dazu geführt dass mein Chef und ein, zwei andere Kollegen die halt echt nicht gut zu mir waren und mich teilweise gemobbt haben.
00:15:30: Weiß sie mich?
00:15:31: Also ich will die nicht entschuldigen aber die haben mich halt nicht verstanden Und dachten auch immer Ich will mich besonders krass hervortun weil ich noch so jung bin und denke ich weiß alles besser als die.
00:15:41: Weil das waren alles ältere Kollegen also alle zwischen zehn und zwanzig Jahre älter als ich und mein Chef ja auch Die dann immer alles sagten Ja du bist doch so jung und wir wissen es besser als du.
00:15:51: Ich bin ja im Hyperfokus von dem Thema, was auch noch so ein Ding ist.
00:15:56: Und ich habe den sehr auf meine Arbeit gezogen, das wiederum auch dazu geführt hat, dass ich dann in den Burnout gegangen bin und mich selbst sehr kaputt gemacht habe.
00:16:05: Und tatsächlich rein statistisch ist es ja auch so, dass undiagnostizierte neurodivergente Personen gerade im ADRS oder Autismusbereich wenn sie im normalen Arbeitsleben sind... zwischen dreißigvierzig oder Anfang vierzig in Burnout kommen, solang sie undiagnostiziert bleiben.
00:16:25: Weil Sie dieses Verhalten immer weitermachen und ja gar nicht wissen warum es ihnen immer schlechter geht wenn sie überhaupt früh genug mitbekommen dass es ihnen schlechtergeht.
00:16:34: In meinem Fall war so und ich habe auch schon mit ein paar anderen gesprochen... ...in der Klinik War's so das es extrem plötzlich kam Und ich dann auch in einer sogenannten Burn-Out Paralyse war.
00:16:47: Ich konnte mich gar nicht bewegen an dem Tag und an den Morgen, als ich eigentlich zur Arbeit gehen wollte.
00:16:52: Und da war so der Punkt wo ich gemerkt habe okay das ist wirklich halt ganz krass anders als es bei jedem sein sollte.
00:17:00: und was ich bisher gehört habe und warum hab' ich das nicht schon früher gemerkt?
00:17:04: Klar habe ich mich beschwert über die Arbeit aber... Was man oft so hört, dass man viel müder ist oder teilweise auch sehr unglücklich ist denn auf Arbeit oder nach der Arbeit und die Partnerschaften dann irgendwie was mitbekommen.
00:17:16: Das war bei mir gar nicht der Fall.
00:17:18: Es kam extrem plötzlich!
00:17:20: Und das war etwas, was auf lange Sicht, wo ich im Nachhinein gelernt habe, dass Dismasking da extrem viel reingespielt hat, dass ich so kaputt gegangen bin...
00:17:34: Wie kam es dazu?
00:17:35: Ich habe Social Media konsumiert, am Ende meiner Arbeitszeit sozusagen und habe dann vom Algorithmus einfach sehr viel ADHD-Personen reingespült bekommen.
00:17:46: Weil von dem was ich offensichtlich geliked habe, was ich mir viel angesehen habe oder sowas war das viel typischer ADHS Content, was viele ADHS Menschen toll finden Community-Dinge bekommen.
00:18:03: Und Creator, die sich mit ADRS... Die selber ADRS haben und sich damit auseinandersetzen, habe sehr früh sogar ADRS Personen bekommen, die selber WissenschaftlerInnen sind ...und eben gleichzeitig Content machen um Menschen aufzuklären auch vor allen Dingen mit Fehlinformationen, die über Social Media sehr viel verweitet werden.
00:18:24: Da ist mir dann irgendwie so boah!
00:18:26: Das passt soviel auf mich was da in diesem ganzen Content vorkommt.
00:18:31: Vielleicht sollte ich mal gucken, ob das irgendwie auf mich zutrifft?
00:18:34: Und da habe ich dann mehrere ... Ich glaube drei Selbstdiagnose-Seiten hab' ich dann aufgesucht, was auch wieder ein starker Hyperfokus war, wo ich irgendwie drei Stunden nur damit verbrachte, aber eine Diagnose Seite rauszusuchen die mir irgendwie legit erscheint.
00:18:49: Die habe ich denn gemacht und diese Selbstdiagnosen haben mich schon überzeugt.
00:18:54: Dann war einfach nur ja okay, wo kriege ich ne echte Diagnase her?
00:18:57: Da hatte mein Hausarzt, der hatte einen Freund aus der Schulzeit.
00:19:01: Er hat gesagt, er ruft da an und dann habe ich einen Termin bekommen für eine Diagnose.
00:19:06: Und wie hast du diese Diagnase erlebt?
00:19:08: War es eher so eine Erleichterung oder eine Beerforderung?
00:19:11: Für mich war das eine übelste Erleicherung.
00:19:15: Also weil ich es nicht... Ich finde es nicht schlimm ADRS zu haben oder Autismus zu haben Manche Leute weinen ja dann und die Welt bricht zusammen Kann ich persönlich nicht nachvollziehen?
00:19:26: Weil für mich war das ja einfach eine totale Erklärung, was in meinem Leben alles... ...alles war und was für mich dann schief gelaufen ist.
00:19:35: Also da ich ja gar keine Hilfe hatte, keiner wusste, was bei mir los ist,... ...ich selbst wusste nicht, was mit was bei me los ist.
00:19:42: Denn erklärt es ja so viel!
00:19:43: Und ich war nicht einfach nur faul.
00:19:45: Ich war nicht jetzt einfach nur desinteressiert an irgendwas sondern es war einfach nicht mein Interessengebiet was sich reingedrückt wurde, aber und deswegen habe ich es nicht schaffen können.
00:19:57: Für mich war das ein Augenöffner, einen Stein vom Herzen bisschen und einfach die Erklärung, was thirty-fünf bzw.
00:20:08: sechsunddreißig Jahre wenn man so will in meinem Leben alles so passiert ist.
00:20:13: natürlich nicht alles aber für sehr viel.
00:20:17: Was hat sich dadurch durch diese Diagnose für dich verändert in deinem Leben?
00:20:21: oder auch in deinem Inneren erleben.
00:20:24: Wichtig war vor allen Dingen, dass mein erstes und bisher einziges ADS-Medikament was darauf folgen folgend auch wichtig ist ich habe einen Antidepressiva.
00:20:41: da muss man sehr aufpassen wenn man ein ADS Medikament nimmt unten ein Antidepresiva das es beides stimmig ist ,dass das zusammen passt.
00:20:49: Und das ist nämlich auch wieder so ein Ding, wenn man einen undiagnostizierten Antidepressiva nimmt.
00:20:53: Kann es als neurodivigente Person, wenn mal das Falsche kriegt ... kann's schwierig werden?
00:20:59: Muss nicht!
00:20:59: Vielleicht hat man Glück aber ja... Aber mein ADRS-Medikament hat mir am meisten geholfen tatsächlich.
00:21:07: Das kriegt man nur, wenn meine Diagnose hat, weil es um das Betäubungsmittelgesetz fällt.
00:21:13: Und natürlich dann keine Ahnung, so Tricks Tipps, die man dann aus der Community bekommt wie man mit gewissen Alltagssituationen fertig wird.
00:21:23: Die ich einfach vorher wäre ich die gar nicht angegangen ohne Diagnose, ohne zu wissen dass ich irgendwie ADS habe oder eben Autismus auch.
00:21:31: Dann wüsste sich ja gar nicht.
00:21:32: also wäre ich immer noch in den gleichen Problemen drin wie früher?
00:21:36: Ich hab immer noch viel... Also ich hab er immer noch die gleichen Probleme aber jetzt weiß ich wie ich sie angehe und kann mich besser rein- oder drum herum navigieren.
00:21:47: Was genau hat sich denn dann verändert durch die Medikation auch im Alltag?
00:21:52: Man kann sich das vorstellen, man hat die ganze Zeit so Gesänge im Kopf.
00:21:57: Also in meinem Fall finde ich eher Gesänge als ganz viele Stimmen und sie singen mit Bildertanz oder so alles was in meinem Kopf halt so los ist.
00:22:09: also Sachen die zehn Jahre her sind aktuelle Sachen, Sachen die noch werden können.
00:22:15: Während wir uns gerade besprechen denke ich an noch fünf andere Dinge mindestens, die ich jetzt aufzählen könnte.
00:22:21: aber es wird viel zu lange dauern und das Medikament einzunehmen ist dann... Die sind doch alle da!
00:22:31: Aber die werden alle leiser bis auf den einen den ich mir raussuche So dieser das was jetzt gerade wichtig ist.
00:22:37: unser Gespräch hier zum Beispiel wäre dann jetzt in dem Fall.
00:22:39: ich habe heute kein Medikament genommen.
00:22:41: Ich hab gerade keine da aber ich kann mich dann ganz auf unser gespräch konzentrieren und Kriege Wörter besser hin Formulierung besser hin weil diese ganzen anderen Lieder Musikstücke Bilder im meinem Kopf alle so ein bisschen unterdrückt sind.
00:22:59: die sind alle weiter hinten weiter weg Und ich müsste jetzt mich erst wieder darauf konzentrieren auf einen bestimmtes, dass das so in den Vordergrund gerät.
00:23:08: So funktioniert das bei mir und so wurde mir das auch viel beschrieben von anderen Neurodewegenden Personen wenn sie ihre Medikamente haben.
00:23:17: aber ansonsten ist es ein Trick anwenden Wenn ich zu Hause was machen möchte Was ich machen möchte oder was auch wichtig ist Schuhe anziehen.
00:23:27: Das ist ein Trick, der ist unglaublich stark und unglaublich gut.
00:23:31: Dass man einfach so festes Schuhwerk hat was man normalerweise draußen oder zur Arbeit anziehen würde.
00:23:36: aber das hat man nur für Zuhause.
00:23:37: eine saubere Schule halt Und die zieht man sich dann an und läuft los und es macht richtig Klick im Gehirn dass es einem sagt ja jetzt geht mein zu Arbeit Jetzt geht man einkaufen jetzt geht man raus Aber eigentlich sind wir zu Hause und macht halt seine Dinge und da kann man sie am Stück erledigen und das ganz ohne Medikament.
00:23:54: Darauf wäre man ja vorher nie gekommen, außer durch einen Zufall vielleicht.
00:23:59: Ich würde gerne noch mal mit dir über diese Doppeldiagnose sprechen.
00:24:02: Du hast ja ADHS und Autismus.
00:24:05: Viele Menschen denken das schließt sich aus!
00:24:07: Was bedeutet Audi HD für dich im Alltag?
00:24:11: Für mich ist die größte Schwierigkeit damit, Audi HD zu haben sich eigentlich irgendwie in sehr vielen Dingen immer ausschließt oder gegeneinander kämpft, sagen wir mal so.
00:24:26: Weil leider hat man dann das typische Autistische und das typisch aliasmäßige sage ich mal die sich aber eigentlich bekämpfen und dann hat man mal das und mal dass.
00:24:38: Ich sag immer, ich hab Stimmungsschwankung Aber es ist eigentlich gar keine Stimmung.
00:24:43: also für mich sind Gefühle zum Beispiel auch ein unglaublich großes Problem meine eigenen Gefühlen festzustellen.
00:24:49: Bei jemand anderen hab ich nicht so große Probleme.
00:24:52: Was halt angeblich typisch autistisch sein soll,
00:24:55: z.B.,
00:24:55: dass autistische Menschen keinen Verständnis dafür haben wie sich jemand anders fühlt.
00:25:00: Stimmt auch nicht, habe mit Autisten gesprochen ... Die kommen in den Raum rein und spüren sofort die Stimmung, wenn sie nur einmal die Gesichter sehen.
00:25:09: Eigene Gefühle wahrzunehmen ist für mich ein großes Problem auf jeden Fall diese Stimmungsschwankungen, die äußern sich eher in Energielosigkeit sehr viel Energie haben.
00:25:21: Ich habe Lust auf etwas und dann habe ich Lust auf alles, was man mir vorschlägt.
00:25:27: Ich bevorzuge eigentlich zum Beispiel direkte Kommunikation aber manchmal ist es auch am liebsten schreibe ich lieber nur und will die Person gar nicht um mich haben.
00:25:37: Und das ist aber so hin und her, also ich habe so viel hin- und her was sich bevorzuge und was ich gerade nicht bevorzuge.
00:25:44: Das kann ich nicht steuern!
00:25:45: Das kann mich nicht sehen wann es jetzt so ist... Das kann von einer Stunde zur nächsten Stunde kann das switchen und das ist natürlich dann in der Kommunikation auch unglaublich schwierig.
00:25:55: Ein großes Beispiel ist zum Beispiel auch dass ich Routinen liebe Was auch sehr typisch autistisch ist und auch klare Erwartungen habe dass Leute diese Routine ebenfalls ausführen oder erkennen und respektieren, insbesondere unter Stress.
00:26:12: Gleichzeitig kommt in diese ADRS-Sache ich kann gar keine Routine!
00:26:17: Bei mir ist das doch ein bisschen extremer als bei vielen anderen.
00:26:20: Ich habe nichts im Leben eine Routine.
00:26:22: Ich muss alles aktiv mich dran erinnern und es aktiv machen.
00:26:28: So dieses abends ins Bett gehen und dann hat man seine zu Bett gehe Routine wo manche Leute total verschlafen, wie ein Zombie ins Bad gehen.
00:26:38: Die Genox Klo, die putzen sich die Zähne vielleicht auch in eine andere Reihenfolge aber das läuft irgendwie so bei denen ab und am Ende liegen sie im Bett drehen sich um und sind nach fünf Minuten eingeschlafen.
00:26:49: ich muss mich an alles erinnern und dann manchmal liege ich im Bett und denke dann aktiv!
00:26:55: Ich muss jetzt schlafen Und dann fährt mir ein...ich hab zähne nicht geputzt.
00:26:59: Okay nochmal aufstehen, Zähnen putzen.
00:27:01: Jetzt ist es aber irgendwie Die Reihenfolge ist kaputt und das regt mich dann auf, dass wieder dieses ich will Routinen haben.
00:27:08: Aber die Routine ist kaput gegangen weil ich sie aktiv nicht so gemacht habe wie ich sie gerne hätte.
00:27:14: Und das is ein sehr starker Clash im meinem Autismus.
00:27:18: ADRS
00:27:19: Danke für diese anschaulichen Beispiele.
00:27:22: Du hast gerade was gesagt, dass die Kommunikation ja oft schwierig ist und die Kommunifikation würde ich gerne nochmal darüber sprechen.
00:27:29: Du hattest vorhin auch gesagt das es auf zu Missverständnissen kommt wie zum Beispiel, dass Menschen dann sagen oder das Gefühl haben du bist faul.
00:27:37: Gibt es noch andere Missverständnisse, die du wahrnehmst im Kontakt mit anderen Menschen in Bezug auf deine Diagnosen?
00:27:43: Das Faul Ding ist eins der stärksten Sachen.
00:27:45: Das war immer der stärkte Faktor, den die Leute irgendwie gestört hat, dass ich ja irgendwie den Arsch nicht hoch kriege wie man auch so schön sagt.
00:27:53: Manchmal auch ein bisschen Verarbeitungsgeschwindigkeit wenn mir was gesagt wird und ich habe selber dann darüber noch nicht im Voraus nachgedacht das sich denn länger brauche um mit dieser Information klarzukommen und auch emotional damit fertig zu werden und dann damit arbeiten zu können im Sinne von sozial oder sonst wie, je nachdem was es für eine Situation ist.
00:28:16: Im romantischen zum Beispiel auch genau da hatten wir ja vorhin schon fällt mir ein das starke negative Emotion also was man als negative Emotionen beschreibt oder kennt manchmal ganz plötzlich sehr doll da sind und dass dann missverstanden wird.
00:28:35: Also es ist einfach nur einer Dass die Emotion auf einmal so hoch kommt und rauskommt.
00:28:42: Aber es ist eigentlich gar nicht so schlimm gemeint.
00:28:45: Und das kommt aber natürlich sehr schlimm an, wenn ich plötzlich nenn... keine Ahnung!
00:28:50: Ich werd dazu eingeladen Deutschessen zu gehen und deutsches Restaurant ist halt zum Beispiel sehr viel Fleisch und dann reg' ich mich darüber auf warum ich da eingeladen werde weil ich halt auch vegan lebe.
00:29:01: Und denn es kommt so eine Emotion damit bei mir raus von wegen du weißt dass ich vegan bin.
00:29:06: man ey warum lädst du mich zu sowas ein?
00:29:08: Sowas kann halt vorkommen.
00:29:11: Eigentlich ist es nur ein bisschen Enttäuschung, aber es klingt als wäre ich übel sauer.
00:29:16: Das kann auch Probleme zum Beispiel machen.
00:29:19: Es gibt noch so atypische soziale Interaktionen sagt man dazu... ...dass man sich in einem Gespräch zum Beispiel wo's um ein bestimmtes Thema gibt haut man dann lieber sein eigenes Interessenthema raus.
00:29:33: So ganz aus dem Nichts und bricht irgendwie total das Gespräch.
00:29:37: wenn man jetzt in der Gruppe sitzt oder so Und die reden über Wale Und ich will jetzt aber über ein Computerspiel sprechen, weil mich das Thema gar nicht interessiert.
00:29:48: Dann sage ich plötzlich auch einfach was zu meinem Thema?
00:29:53: Das ist natürlich auch ein Problem ... Was aber meistens belächelt wird und ich in meinem Fall komme relativ schnell wieder raus und war so, ah sorry, war so'n Gedanke gerade!
00:30:02: Ich hab da übel Bock drauf grade und
00:30:04: so."
00:30:06: Gibt's irgendwas, was dir im Kontakt mit neurotypischen Menschen besonders schwer
00:30:11: fällt?".
00:30:12: Ich glaube, was mir schwerfällt und ist trotzdem auch immer noch die Kommunikation zu sagen dass ich Audi HD habe.
00:30:20: Nicht weil ich ein Problem damit habe das auszusprechen und weil ich mich dafür schäme sondern weil das zur Erklärung führt und es oft als Ausrede aufgeführt wird.
00:30:35: Und das stört mich.
00:30:38: aber deswegen hab' ich auch großes Interesse daran aufzuklären eigentlich wiederum.
00:30:45: Was würde es denn für dich im Alltag leichter machen, also welche kleinen Veränderungen?
00:30:50: Also Kommunikation wird auf jeden Fall ein bisschen einfacher weil man wenn das Verständnis da ist und man weiß dass das verständnis von der oder den anderen Personen da ist, dass man dann einfach nur sagen muss zum Beispiel sorry ich kann heute nicht, weil ich habe gar keinen Energie dafür Ich hatte gestern das und Und ich brauche immer meinen einen Tag Pause zwischen zwei Terminen oder so.
00:31:16: Dann ist das Verständnis einfach da, dann wird einfach gesagt ja kein Problem erholt sich gut wir können ja dass dann nächste Woche machen oder so und das dann eben nicht so.
00:31:25: dieses dieses Gefühl dahinter ist Scheiße.
00:31:28: jetzt habe ich enttäuscht oder so weil die Leute ganz genau wissen was los ist.
00:31:31: Ich merke dass das in meinem Freundeskreis So ist und daher weiß ich Oh, das hat mein Leben in dem Fall so viel erleichtert.
00:31:40: Also es ist wirklich ein aktives Ding, wo ich genau weiß, dass das mein Leben
00:31:45: verbessert.".
00:31:46: Du hast in unserem Vorgespräch gesagt, dass dir Selbsthilfe letztlich mehr geholfen hat als Therapie.
00:31:53: Magst du sagen, was du genau damit meinst?
00:31:55: Was hast du in der Selbsthilfegruppe zum Beispiel gefunden, was dir vorher gefehlt hat?
00:32:01: In der Therapie habe ich mich halt einfach nicht verstanden gefühlt Weil teilweise auch oft gesagt wird so von wegen, ja nee du hast keinen ADRS.
00:32:10: Das ist irgendwas anderes.
00:32:11: also es kam mir nicht mal mit einer besseren Erklärung oder so.
00:32:15: Oder wenn ich wirklich glaube dass ich das habe dann muss sich eine Diagnose machen wo ich ja gerade dabei war in der Zeit zum Beispiel bei meiner letzten Therapie und solange behandelt sie mich aber einfach ganz normal was auch schon eine schwierige Aussage ist muss ich sagen.
00:32:32: Deswegen sagt man ja auch neurotypisch und nicht neuronormal.
00:32:35: Und in der Selbsthilfegruppe, meine erste war ja in der Klinik die auch für ADRS-People unter anderem war... ...und da war natürlich sofort also... Man war im Raum hat sich vorgestellt zwei drei Sätze und man hat sich sofort verstanden!
00:32:54: Also das war ein ganz anderes... Ein ganz anderes Gefühl einfach mit einer anderen neurodivergenten Person zu sprechen ist eine soziale Erleichterung, würde ich's jetzt mal ganz spontan nennen.
00:33:07: Weil es so viel einfacher ist, es fühlt sich so viel natürlicher an.
00:33:11: die ganzen Masken kommen nicht auf weil man merkt da ist auch keine Maske und also irgendwie hat man da ein richtiges Gespür für.
00:33:21: Man sagt ja sogar teilweise dass neurodivigente Personen sind am besten einer anderen neurodivegente Person zu diagnostizieren in Anführungsstrichen oder zumindest darauf hinzuweisen, hey ich hab da so Vibes vielleicht solltest du da mal reinsteigen und gucken.
00:33:36: Und das kommt sehr davon weil man sich krass gut versteht.
00:33:39: einfach schon nach zwei Minuten sag' ich mal... ...und in einer Gruppe das dann auch noch zu haben wo dann zehn Leute oder sowas zusammensitzen und alle haben so ähnliche Probleme oder Erfahrungen gemacht im Leben die nicht mal schlimm sind sondern auch gute.
00:33:58: dann zu erfahren, oh wie geht ihr damit um?
00:34:00: Wie geht ihr da mit um?
00:34:01: das ist halt.
00:34:02: Ist fantastisch!
00:34:04: Das war meine ersten zwei drei Selbsthilfegruppen.
00:34:10: Termine sag ich mal waren besser als eine komplette Session Therapie die ich verschrieben bekommen hatte und ja hat mich so viel weitergebracht in allem allein im eigenen Verständnis.
00:34:23: Du hast das gerade alles so gut auf den Punkt gebracht, was letztendlich etwas Selbsthilfe für dich bedeutet und dass ich da eigentlich gar keine weiteren Fragen zu stellen brauche.
00:34:34: Außer vielleicht die eine gibt es irgendwie ein oder zwei oder drei Sachen wo du sagst Das habe ich in der Selbsthilfegelernt.
00:34:41: Das hat sich durch die Selbsthilfen für mich zum Positiven verändert ganz konkret.
00:34:48: Für mich hat sich mein Community Kreis hat sich auf jeden Fall verändert.
00:34:55: Ich kenne mehr Leute, mit denen ich mich austauschen kann was schon sehr wichtig ist.
00:35:01: Ich habe zwei Gruppen, mit dem ich schreiben kann wenn es wichtig ist die Information teil und dass ich immer jemanden habe auf den ich zurückgreifen kann Wenn ich nicht weiter weiß.
00:35:15: Von daher war diese Selbsthilfegruppe auf jeden fall da schon ein großer Schritt einfach eine Hilfe zu finden irgendwie Community Anschluss zu haben.
00:35:23: Ich habe ne neue Vertrauensperson gefunden, nicht so krass wie mit meiner jetzt Ex-Frau aber die wohnt jetzt zum Beispiel auch gerade bei mir zeitweise.
00:35:35: das ist auch sehr wichtig weil da auch sehr tolle tiefe Gespräche schon stattgefunden haben die ich bisher so einfach noch nicht geführt habe Weil man sich einfach nicht mehr verstellt und nicht mehr zur Bekehlt Also selbst zu einem kleinen, zweisamen Kreis.
00:35:50: Und dadurch ist man in der Selbsthilfegruppe auch noch mal offener?
00:35:53: Ich denke für mich persönlich war die Selbsthilfegruppe auch wichtig weil ich gemerkt habe wie sehr ich so eine Gruppenarbeit mag.
00:36:01: also ich bin auch sehr schnell bereit gewesen irgendwie oder hatte ich Lust darauf ein bisschen diese Gruppenleitung zu übernehmen wo ich mich normalerweise sehr krass raushalte Weil ich dann denke ich werde überfordert sein oder es ist zu viel Druck ... der da bei mir ist oder so, dass ich das irgendwie richtig machen muss.
00:36:20: Aber mir macht es so ein Spaß und ich find' das so toll... ...und ich freu mich jedes Mal wieder aufs Neue,... ...dass die Ruppe zusammenkommt,... ...das ich richtig Lust gewonnen habe,... ...noch mehr zu machen!
00:36:33: Und irgendwie auch noch mehr in dem Bereich zu arbeiten.
00:36:35: Deswegen ich ja auch am Ende zu dir gekommen bin hier in den Podcast.. ..und auch den Workshop mitmachen wollte.
00:36:41: weil also das hätte ich früher nicht gemacht.
00:36:44: Auch als ich schon wusste, dass sich ADRS-Habe Die Selbsthilfegruppe hat mir da aber mehr Mut zugemacht und ja, mich stabiler gemacht sage ich mal in allem.
00:36:55: Danke dir!
00:36:57: Ich würde dir so langsam zum Schluss kommen unter anderem mit der Frage was würdest du deinem jüngeren Ich heute sagen?
00:37:05: Mit dir ist nichts falsch Dein Gehirn funktioniert anders.
00:37:10: Achte auf Leute die irgendwie auch anders denken Und versuchen nicht so zwanghaft, allem oder jedem zu gefallen.
00:37:22: Das wäre so jetzt spontan was ich glaube ich meinen jüngeren nicht sagen würde.
00:37:27: War schön!
00:37:28: Ich hätte gerne einen Disclaimer irgendwie für ein paar Sachen weil ich weiß dass das oft falsch aufgenommen wird.
00:37:37: Weil Leute die es nicht haben also eine typische Person dann gerne sagen... Das hab' ich ja auch manchmal oder sowas dass es halt wirklich heißt, ja das habe ich aber.
00:37:49: Und ich möchte natürlich Therapeuten nicht schlechtreden.
00:37:51: Es gibt bestimmt ganz, ganz fantastische Therapeutenden da draußen die sich mit dem Fach richtig auskennen und auch nicht mit alten Informationen arbeiten sondern mit den aktuellsten Studien.
00:38:02: Aber es ist leider so unglaublich selten.
00:38:04: alles worüber ich hier spreche ist natürlich meine Erfahrung und von denen mit denen ich bisher gesprochen habe.
00:38:10: Ich danke dir sehr, dass du so offen von deinem Weg erzählt hast.
00:38:15: Ja, du hast uns gezeigt wie entlastend eine Diagnose tatsächlich sein kann und aber auch dass sie nur ein Teil des Weges ist.
00:38:21: Und vor allem glaube ich hast du heute deutlich gemacht welchen Unterschied es machen kann Menschen zu begegnen die ähnliche Erfahrung teilen und sich
00:38:29: gegenseitig
00:38:29: verstehen.
00:38:30: Schön das du da warst.
00:38:33: Danke!
00:38:34: War schön dar gewesen zu sein und zu sprechen.
00:38:37: Tschüss!
00:38:38: Ciao.
00:38:45: Nachdem wir gerade mit Heidi darüber gesprochen haben, wie Heidi den Weg zur Diagnose erlebt hat und warum Selbsthilfe für Heidi zu einem wichtigen Wendepunkt wurde möchte ich dem Blick jetzt um die Erfahrung in der Selbsthilferarbeit erweitern und Birgit begrüßen.
00:38:59: Wie Anfangs schon erwähnt engagiert sich Birgitt bei Wohnzimmer Neure Diverse unter anderem als Mitglied und Moderatorin und beruflich begleitet sie in Nürnberg junge Menschen mit ADHS- und Autismus beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf.
00:39:14: Mit ihr knüpfe ich jetzt an Taiji's Erfahrung an.
00:39:16: Birgit, schön dass du da bist!
00:39:19: Ja hallo Anna –
00:39:20: Ich
00:39:21: freue mich sehr das sich da sein kann und danke für die Einladung auch aus der Perspektive der aktiven und der Vereinsmitglieder vom Wohnzimmer Neurodiverse.
00:39:30: uns freut es sehr, dass wir hier in den gemeinsamen Austausch über die junge Selbsthilfe gehen.
00:39:35: Danke dir Birgitt.
00:39:36: bevor wir tiefer in die verschiedenen Themen einsteigen Erzähl uns doch bitte zum nächsten Mal, was Wohnzimmer Neurodiverse ist und wie du dort tätig bist.
00:39:47: Wir kommen später noch mal darauf zurück, was das Wohnzimmers eigentlich anbietet.
00:39:51: Das Wohnzimmaneurodivers ist ein Bundesverband als Verein organisiert der sich für Neurodiversität mit dem Schwerpunkt Autismus und ADHS einsetzt.
00:40:05: Neuro-Diversität drückt dabei unsere Haltung aus dass wir Menschen als neurobiologisch unterschiedlich betrachten und der Schwerpunkt ADHS und Autismus führt mit sich, dass wir ganz konkret Menschen unterstützen.
00:40:20: Deren Neurobiologie eben anders ist als die gesellschaftlich erwartete.
00:40:28: Was mache ich im Verein?
00:40:29: Ich bin einmal Vereinsmitglied und setze mich hier besonders für die Junge-Selbsthilfe ein, die auch im Wohnzimmer initiiert habe.
00:40:37: Und aufbaue!
00:40:39: Und ich bin Moderatorin und Gruppenleiterin und betreue in dem Zusammenhang eben das junge Meetup Eltern von Jugendlichen.
00:40:50: und auf der Grundlage meiner Qualifikation als Ergotherapeutin, Sozial- und Bildungswissenschaftlerin bin ich auch im Fachbeirat des Wohnzimmer Neurodivers tätig.
00:41:01: Und dort liegt mir daran die Stimmen einzubringen, die im Versorgungssystem meist nicht so genau angehört
00:41:08: werden.
00:41:10: Eine junge Stimme haben wir ja schon gehört Und da würde ich einfach gerne anknüpfen, wie eure Diversität im Alltag erlebt wird.
00:41:20: Teijat hat ja erzählt dass sich die Diagnosen zum Beispiel äußern in einem Hyperfokus chaotisch sein und vieles gleichzeitig denken müssen.
00:41:32: auch Foul wirken
00:41:34: nach außen hin und
00:41:35: das es
00:41:36: oft Missverständnisse gibt eigentlich aber gar keine Energie haben was gar nichts mit Foul sein zu tun hat.
00:41:42: Und ja, auch die Schwierigkeit sich zu konzentrieren und hin- und herzuspringen in Themen.
00:41:49: Das sind so einige der Auswirkungen oder Symptome, die genannt wurden.
00:41:54: wenn Menschen zu euch kommen und sich mit einer Diversität beschäftigen was begegnet dir da?
00:42:00: Was sie besonders beschäftigt?
00:42:02: das kommt natürlich ein bisschen darauf an welche Gruppe ich vor mir habe.
00:42:07: also Jugendliche selber sind viel damit beschäftigt Fragen zu klären, die tatsächlich alle Jugendlichen beschäftigen würde ich sagen.
00:42:19: Also es geht so um Themen wie was mache ich nach der Schule?
00:42:23: Welcher Beruf passt eigentlich zu mir?
00:42:26: Wie finde ich einen guten Ausbildungsplatz?
00:42:29: Was heißt das für mich wenn ich im Zuge der Ausbildung oder im Zug des Studiums woanders hinziehen muss?
00:42:35: Wie kann ich das bewältigen?
00:42:37: auf was muss ich achten?
00:42:39: Kann ich ein Nachteilsausgleich dann auch beantragen.
00:42:43: Das ist oft eine Frage, die eher dann wieder zurückgeht auf die eigene Neurodiversität.
00:42:49: Meistens sind es Fragen, die erstmal ganz allgemein jugendliche Star sein und die Phase zwischen Jugend- und Erwachsenwerden betreffen.
00:42:58: Also es sind auch viele Fragen.
00:43:00: wie mache ich das in der Freundschaft?
00:43:03: Wie halte ich Freunde?
00:43:04: Wie gehe ich damit um wenn Das geht über meine Grenzen.
00:43:09: Woran spüre ich das eigentlich?
00:43:11: oder kann ich es im Moment spüren, dass es nicht erst nachher auftaucht?
00:43:15: Wie gehe ich damit um wenn ich einen Menschen kennengelernt habe der mir sehr freundlich erscheint und entgegenkommt und ich möchte eine Verabredung treffen und die kommt aber aus welchen Gründen immer nichts zustande?
00:43:30: wie schnell darf ich mich wieder melden?
00:43:32: was sind das für Signale?
00:43:36: Das sind eigentlich eher die Fragen, die die Jugendlichen zunächst mal beschäftigen wenn sie zu uns in die Selbsthilfe kommen.
00:43:43: Es ist so Fragen nach wie geht es durch den Diagnoseprozess?
00:43:47: oder Fragen nach was nehmt ihr für Medikamente?
00:43:51: Oder was für Erfahrungen habt ihr mit Medikamenteneinnahmen?
00:43:55: Die stehen eigentlich erst in zweiter Reihe sowie ich das als Moderatorin beobachte und in der Selbsthilferliebe bei den Eltern Anders.
00:44:06: Also Eltern thematisieren viele Dinge aus dem Alltag, also die es zum Beispiel nicht aufstehen können, nicht in den Gang kommen.
00:44:16: Viele Fragen rund um Erziehung und Unterstützung, Fragen rundum wie kriege ich Hilfe?
00:44:24: An welche Stellen kann ich mich wenden?
00:44:28: Was gibt es für Erfahrungen, wie man bestimmte Anträge günstig ausfüllt?
00:44:34: Ja, es sind mehr so Fragen die tatsächlich das altzweckliche Zusammenleben betreffen und dann auch wieder aber da eben umgekehrt oft nach meinem Erleben in der zweiten Reihe fragen wie na ja die mit älterlichen Sorgen zusammenhängen.
00:44:55: Wo geht das hin?
00:44:56: Wird mein Kind meine Ausbildung machen?
00:44:58: Welche Ausbildung ist die richtige?
00:45:00: Wie finden wir die?
00:45:02: Wie gehe ich damit um, wenn der gerade in der Schule absent ist und keine Klärung zustande bringe?
00:45:09: Wo so engste Zukunftsängste eigentlich von Eltern eher wieder auftauchen die ja auch für alle Eltern mit Kindern in diesem Alter relevant sind.
00:45:19: Ich möchte mal anknüpfen an das Stichwort besondere Herausforderungen weil Taiji ja auch eine Doppeldiagnose hat.
00:45:28: Das wurde zuerst ADHS diagnostiziert und dann Autismus Also das sogenannte Audi HD.
00:45:34: Teigee erlebt es auch als besondere Herausforderung, weil's halt sich oft so widerspricht.
00:45:39: Kannst du aus deiner Erfahrung was dir so begegnet?
00:45:44: Wo sind da Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Menschen mit ADHS, Autismus oder eben Audi HD?
00:45:51: Naja, es gibt viele Dinge die auf den ersten Blick gemeinsam oder ähnlich aussehen sage ich mal.
00:45:58: also es sind Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, im Gespräch, im Lesen von nonverbalen Signal.
00:46:08: Es sind Gemeinsamkeiten im Bereich der Aufmerksamkeitssteuerung oder der Konzentration.
00:46:16: Es gibt Gemeinsammigkeiten im Bereich Der Reizempfindlichkeit gegen Übergeräuschen oder Licht oder Berührungen.
00:46:27: Und was auch gleich aussehen kann, ist eben das Planung oder Organisation und der Umgang des Einhalten von Zeitabläufen, dass es schwerfällt oder irritiert ist.
00:46:40: Und ja Emotionen zu regulieren – ist auch ein Thema, was geteilt wird sozusagen.
00:46:47: Und gleichzeitig, obwohl es von außen identische Marker sind, sage ich mal.
00:46:52: Gibt es natürlich Unterschiede in den Ursachen also wo diese Verhaltensweisen herkommen oder wie die Verhaltungsweisen bedingt und angelegt sind?
00:47:02: Autistinnen zum Beispiel haben mehr des Bedürfnis nach Vorhersagbarkeit und nach Tiefe in bestimmten Gebieten.
00:47:11: AutistInnen suchen nach klaren und stabilen Strukturen Und das kann eben zu Herausforderungen in der sozialen Interaktion werden, wenn das gegenüber das eben nicht so braucht oder hat.
00:47:25: ADH-Eslerinnen suchen eher das neue Treffen schnelle impulsive Entscheidungen aus dem Moment heraus erleben viel Unruhe und da tauchen die sozialen Schwierigkeiten in Beziehung mit anderen Menschen eher dadurch auf dass sie vergesslich sind in der Unterhaltung öfter unterbrechen, dass sie vielleicht allgemein ein bisschen laut sind.
00:47:51: Also die Ursachen und die Ausprägungen sind sehr unterschiedlich.
00:47:56: Und auch die Art wie maskiert wird ist dann unterschiedlich weil ja unterschiedliche Reize maskiert werden müssen oder unterschiedliche Systeme und Veranlagungen maskiert werde müssen.
00:48:09: Das sind halt Sachen, die im Gespräch anstrengend werden können oder im sozialen Miteinander sehr aus anstreggend werden.
00:48:17: Und die für Außenstehende eben ungenau, oder manchmal auch gar nicht nachvollziehbar sind oder auseinandergehalten werden können und die dann natürlich frustrierten auf beiden Seiten massiv frustrieren.
00:48:32: Wenn diese Symptome zusammenkommen wie bei AUDHS.
00:48:37: halt Ist das nicht einfach eine Doppelung, sondern es ist eine Verknüpfung und Verwirrung gleichzeitig?
00:48:44: Also so die Fäden werden nicht einfach aneinander geknotet.
00:48:47: Und man hat einen längeren Faden, sondern die Fähden werden vielleicht, wenn man sich das bildlich vorstellt auch in der Mitte zusammengeknotet oder doppelt an den Enden geknott, sodass eher ein Durcheinander-und Kuddelmodell entsteht und es schwierig ist wirklich vorwärts zu kommen.
00:49:03: also in der Planung kann es dann zum Beispiel sein dass Auf der einen Seite entsicht ein Planmacht.
00:49:10: Der autistische Teil dafür ist, einen sehr klaren Plan zu machen sich gut zu strukturieren damit vorhersehbarkeit herzustellen und der adhs-Teil mag diesen plan aber nicht folgen.
00:49:21: also der findet das dann nach drei Schritten schon leer langweilig oder schwer auszuhalten, weil ebenso vorher sagbar ist was als nächstes passiert.
00:49:32: und dann gibt es halt einen inneren Konflikt auch.
00:49:34: Also mit welchem Weg gehe ich?
00:49:36: Wie entscheide ich mich?
00:49:37: Und das ist ja für beide Neurodivergenzen sozusagen ein entscheidender Punkt dann rauszufinden wie kann ich mir der Situation umgehen.
00:49:46: und wenn aber unterschiedliche Reize unterdrückt werden wollen oder müssen um einen Weg nach vorne zu finden, dann ja ist gerade Entscheidungskompetenz wieder gefragt die sehr schwer fällt.
00:50:00: Du
00:50:00: hast schon Diagnostik angesprochen und das ist ein Thema was bei vielen Menschen eine wichtige Rolle spielt es der Weg zur Diagnose und Taiji hat beschrieben dass es eine große Erleichterung
00:50:15: war.
00:50:16: Was erzählen denn Menschen bei euch darüber, wie sie sich vor oder nach einer Diagnose selbst wahrnehmen?
00:50:22: Auch das ist unterschiedlich.
00:50:24: Diagnos ist nicht gleich Diagnosis.
00:50:27: Das ist mir vielleicht wichtig zu sagen.
00:50:29: also leider ist es so.
00:50:33: Diagnostik dürfen aus gutem Grund nur ganz bestimmte Personen machen und Ich erlebe es aber schon auch, dass Menschen da sind, die sagen sie haben eine Diagnose.
00:50:45: Aber haben vielleicht zwei Einheiten oder sowas bei einem Psychologen gehabt der vielleicht Kindheitszeugnisse durchgeschaut hat und vielleicht mal im Gespräch ein paar Fragen gestellt hat?
00:51:00: Das ist für mich aber keine Diagnosis.
00:51:03: Also einen Diagnoseprozess sollte immer Leitlinien orientiert ablaufen Und das bedeutet halt, dass neben verschiedenen körperlichen Voruntersuchungen immer mehrere psychodiagnostische Sitzungen sozusagen dazu gehören.
00:51:20: Das heißt insgesamt ist ein Diagnoseprozess ein zeitaufwendiger Prozess und man muss sich in diesem Prozess auch mit vielen Fragen- und Situationen konfrontieren die aus der Kindheit bis zum aktuellen Alter eben eine Rolle gespielt haben oder eine Rolle spielen, die diesen Bereich eben aufschlüsseln.
00:51:45: Und dabei zählt auch nicht nur die eigene Perspektive auf diese Situation sondern in der Regel wird auch ne Fremdperspektive aus dieser Situation eingeholt also dass Verwandte oder Angehörige gefragt werden das Lehrkräfte gefragt werden oder das über Schulzeugnisse oder Schriftstücke agiert also um diese Fremdperspektive auch einzuholen.
00:52:13: Und gerade für junge Menschen ist es oft so, dass das erste Mal ist wo sie überhaupt anhalten und dann in der Diagnostik zurückgucken wie war denn mein Leben bisher?
00:52:29: Das ist nicht unbedingt schön das systematisch anzugucken nur tolle Gefühle aus, ganz im Gegenteil.
00:52:39: Er kommt eben mit wie viel man auch erlebt hat an Missverständnis und Unverständnis, an Ausgrenzung.
00:52:47: Und das heißt so ein Diagnoseprozess ist immer auch wenn er
00:52:53: gut
00:52:53: läuft mitten einer gewissen emotionalen Belastung verbunden ja, eben größer oder kleiner sein.
00:53:03: So wie ich das höre spielt das eben auch oft eine Rolle dabei, wie ich es dann einschätze ob ich was mir der Diagnoseprozess gebracht hat oder was mehr die Diagnese bringt.
00:53:15: also unabhängig davon eigentlich ob jetzt eine Diagnase gestellt wurde oder ob keiner gestellt wurde Ja?
00:53:22: Der Prozess alleine, der löst ja schon viel aus an Überlegung neuem Verstehensweisen, sowas.
00:53:33: Was erhoffen sich denn Menschen von einer Diagnose?
00:53:36: Ist mit Sicherheit auch wieder unterschiedlich.
00:53:38: aber was sind so deine Erfahrungen?
00:53:39: Warum machen Menschen es kostet ja auch viel Geld oft und das ist ein langer Prozess!
00:53:47: Ich
00:53:47: denke und ich höre dass sie sich davon erhoffen dass Sie sich besser verstehen können also dass sie besser mit sich in dieser Welt klarkommen können auch natürlich ein Stück Scham und Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle sozusagen ablegen können, dass sie eine Erklärung bekommen dafür wie ihr Leben bisher aussieht.
00:54:14: Ja?
00:54:15: Und warum es so aussieht!
00:54:17: Und dass Sie vielleicht auch eine Idee bekommen, wie Sie Ihr Leben anders gestalten oder in den Griff kriegen können.
00:54:25: also das ist ja nicht.
00:54:26: ich habe eine Diagnose und dann ist vorbei.
00:54:29: Leider schließt oft keine Therapie an, aber das ist ein anderes Thema.
00:54:33: Sondern die Diagnose eröffnet ja oft erst den Weg dahin, dass ich eben Medikamente bekommen kann, dass sich die richtige Behandlung bekommen kann und dass ich Unterstützung und Entlastung bekommen kann über verschiedene Hilfen Alltagsnäheres, praktischeres Verständnis davon kriege.
00:54:57: Wo sind meine Stärken?
00:54:58: Wo sind mein Ressourcen und wo sind auch Belastungsgrenzen?
00:55:02: Und wie kann ich damit umgehen?
00:55:05: Wie kann ich jetzt so umgehen dass ich ja nicht mehr all das wiederholen und erleben muss was ich bisher erfahren habe?
00:55:15: Wie erleben den Menschen den Umgang mit ihrem Umfeld, wenn sie eine Diagnose erhalten haben oder sich selbst Neurodivergent verstehen?
00:55:23: Gibt es da auch Veränderungen im Umgang damit nach der Diagnosis?
00:55:28: Also ich kenne es eher so, dass dann gefragt wird okay das hat jetzt für mich dies- oder jenes bewirkt.
00:55:38: und wie gehe ich jetzt damit um?
00:55:40: also erzähle ich des anderen oder tue ich das nicht.
00:55:46: Also gehe ich, wenn ich einen Ausbildungsplatz suche, erzähle ich im Bewerbungsgespräch von meiner Diagnose und was ich eben im besten Fall schon gelernt habe.
00:55:59: Was ich brauche damit ich diese Ausbildung absolvieren kann.
00:56:06: oder gereicht mir das eher zum Nachteil, wenn wenn ich die Ausbildung noch geschafft habe und dann aber in den Beruf einsteige, und da merke die Belastungen nehmen zu.
00:56:19: Erzähle ich dann, dass ich eine Diagnose hab oder tue ich das nicht?
00:56:23: Wenn ich eine Freundin oder einen Freund treffe, eine sympathische Person und merke es gibt Treibungen... Spreche ich dann über meine Diagnose oder tue ich das nicht?
00:56:37: Also, das sind eher Fragen die dann aufkommen und diskutiert werden untereinander.
00:56:44: Oder wo Erfahrungen ausgetauscht werden unteileinander.
00:56:48: Heidi hat ja auch gesagt dass es oft Missverständnisse gab und teilweise auch noch gibt in der Kommunikation mit neurotypischen Menschen, also wie zum Beispiel die Batterie ist leer.
00:57:02: und dann sagen Freunde ja sagt doch wenn du keine Lust hast.
00:57:09: Und Heidi sagt aber ich habe ja Lust!
00:57:13: Dass das irgendwie so als faul irgendwie abgestempelt wird nimmst du da was für Missverständnisse oder Vorurteile im Umgang zwischen neurotypischen und neurodiversen Menschen begegnen dir?
00:57:27: Das ist glaube ich ein typisches Missverständnis, dass Neurodivergente jugendliche Faul sind oder aufmüpfig sind.
00:57:36: Oder nicht ansprechbar sind für bestimmte Herausforderungen, Situationen, gemeinsame Aktion – was er aber nicht so ist!
00:57:48: Also da hat Taiji ja genau den Punkt getroffen sozusagen Wir wissen das Neuro-Divergentem Menschen, autistische Menschen, ADHS-Larinnen oft sehr genau wissen was der nächste Schritt ist.
00:58:07: Was man tun müsste.
00:58:08: aber den nächsten Schritt zu kennen heißt trotzdem noch nicht ihn gehen zu können weil dieser schritt oft dann immer noch zu groß ist.
00:58:18: ja also ich kann wissen Okay, wenn ich einen Schulabschluss haben will dann muss ich jeden Tag in die Schule gehen.
00:58:28: Und dann hab' ich dann und dann Prüfungen und auf die sollte ich mich vorbereiten.
00:58:34: Aber ja für Neurotypische sind das Schritte, die genügend gliedern aber für neurodivergente Menschen sind diese Schritte viel zu groß.
00:58:42: Also da ist eher die Frage was tue ich morgens wenn ich aufstehe?
00:58:46: als erstes also Beine aus dem Bett Fenster aufmachen anziehen und allein in den wenigen Schritten stecken ja dann schon ganz viele Reize, ganz viele Ablenkungen.
00:58:57: Ganz viele Herausforderung sozusagen die vom neurodivergenten Gehirn- und Nervensystem wahrgenommen verarbeitet und wieder in motorische Leistungen umgesetzt werden müssen, die ja von außen erst gesehen werden können.
00:59:16: also was da im Kopf alles passiert das können wir ja aus dem stehen sozusagen nicht erkennen, aber da arbeitet es in der Regel ganz intensiv.
00:59:27: Ihr habt ja verschiedene Gruppen für verschiedene Altersgruppen auch und in der Regel wenn ich das richtig verstanden habe werden alle Gruppen in der Anfangsphase, wenn sie das möchten von euch ehrenamtlichen externen Menschen moderiert und dann aber auch irgendwann sich selbst überlassen sozusagen dass die Betroffenen Menschen selbst die Gruppe abwechselnd oder so moderieren.
00:59:53: Ein Unterschied gibt es bei den U-Achzehn Gruppen, die werden dauerhaft von euch moderiert richtig?
01:00:03: Ja ein!
01:00:05: Also es können sich Gruppen völlig unabhängig von uns Ehrenamtlichen oder Engagierten im Verein sozusagen treffen, sie finden sich über die Plattformen und kriegen von uns eher den Support.
01:00:21: sozusagen, wie kann ich so eine Gruppe aufbauen?
01:00:24: Wie kann ich jedes einzelne Treffen moderieren oder auch wenn es dann darum geht.
01:00:29: Ich möchte bestimmte Dinge für unsere Gruppe ermöglichen wie eine Fortbildung oder einen besonderen Vortrag oder vielleicht auch eine Literatur die bestellt werden soll.
01:00:44: also da unterstützen wir dann auch bei den Anträgen.
01:00:47: Aber nicht jede Gruppe ist automatisch von uns moderiert oder angeleitet.
01:00:53: Für die U-Achzehn, für das junge Meetup, ist es so?
01:00:58: Wir haben uns am Anfang gefragt, wieso so wenige junge Menschen sozusagen auf unsere Plattform kommen und da unterwegs sind und wie wir sie unterstützen können.
01:01:10: Die Erfahrung ist ein bisschen ... dass sie in Raum brauchen, ähnlich wie das im neurotypischen Bereich vielleicht mehr ist.
01:01:23: Da gibt es Jugendzentren und Treffpunkte, da geht man hin, da findet man sich ein so, ja?
01:01:29: Das strukturiert jemand von außen.
01:01:31: Und das war so'n bisschen der Ansatz.
01:01:34: Vielleicht können wir sowas im Wohnzimmer auch machen.
01:01:39: Ich habe dann einfach sozusagen eine Gruppe angeboten.
01:01:42: also ich hab gesagt okay wenn sich so viele jugendliche melden, dann können wir eine Gruppe starten und können mal zusammengucken was wir besprechen wollen wie wir arbeiten wollen.
01:01:55: Und die Idee ist aber schon dass ihr irgendwann alleine lauft.
01:02:00: ja also ich bin im Hintergrund auf jeden Fall ansprechbar aber andere auch.
01:02:09: Ja und so sind wir gestartet.
01:02:13: Es ist wirklich keine Anleitung, sondern es ist eine Art von Moderation tatsächlich.
01:02:18: Also ich eröffne den Raum, ich halte den Raum und führe durch die Zeit.
01:02:24: Ich sorg dafür dass wir gemeinsam ankommen können, dass jeder mal zu Wort kommt sozusagen wo er jetzt herkommt dass wir quasi so eine Anfangsrunde haben, dass wir dann sammeln welche Themen liegen eigentlich für heute an.
01:02:42: Worüber wollen wir sprechen?
01:02:45: Wer hat was mitgebracht?
01:02:47: Dann moderiere ich den Entscheidungsweg.
01:02:52: Wie teilen wir die Zeit jetzt auf, die wir haben?
01:02:56: Besprechen wir zwei oder drei Themen oder wollen wir uns einem Thema widmen und nehmen die anderen Themen in andere Treffen?
01:03:06: Ja, tauschen sich die Teilnehmenden darüber aus und das Gespräch nimmt so seinen Lauf.
01:03:15: Und dann ja schaue ich entweder auf die Zeit wenn wir zwei Themen vereinbart hatten dass es so zeitwächtig darin bin oder gegen Ende auf jeden Fall nochmal zusammenfassen.
01:03:28: was haben wir jetzt besprochen?
01:03:29: Was sind eigentlich auch Anregungen in Pulse die auf den Tisch gekommen sind wie kurze Abschlussrunde, wie verlässt jetzt sozusagen auch jeder den Raum.
01:03:41: Aber das ist so ein Idealbogen der natürlich nicht jedes Mal genauso eins zu eins umgesetzt wird und umgesetzt werden kann sondern oft ist es auch so dass jemand teilnimmt, der einen totalen Druck hat was bestimmtes zu besprechen Oder das Gespräch nimmt eine ganz andere Wendung.
01:04:02: Oder es kommen zwei oder drei später, oder zwei oder dreiegen wieder früher... Also wir haben im Moment noch sehr viel Offenheit und sehr viel Bewegung in der Gruppe.
01:04:14: Und ja, das Ziel ist sozusagen dass man als Gruppe gut zusammenwächst und wenn dann mehr Vertrauen da ist und stabiler Kreis regelmäßig zumindest an den Treffen teilnimmt Dann ist es so, dass ich eben anbiete und auch nachfrage, wer mag denn mal die Moderation übernehmen?
01:04:34: Also so das wir in diesen Wechsel hineinkommen.
01:04:38: Manchmal besprechen wir das außerhalb der normalen Treffen nochmal, dass Ich mich mit der Person dann nochmal austausche und ja noch mal Ideen mit ihr sammle wie man das machen kann.
01:04:50: Aber es ist ganz ehrlich, auch manchmal so eine Gruppe läuft so ganz regelmäßig durch und manchmal kann ich einfach nicht.
01:04:57: Und dann stelle ich halt das auch zur Diskussion.
01:05:01: entweder der Termin fällt aus oder ihr trefft euch alleine.
01:05:05: Wenn ihr euch alleine treffst, dann ist die Frage wer übernimmt ein bisschen die Verantwortung für dieses Treffen?
01:05:11: Ja, denke ich.
01:05:12: Hoffe ich, dass verschiedene da reinwachsen und dann irgendwann zu so einem Gruppenzusammenhang kommt wie das in der Jugendarbeit ja oft ist wo die Jugendlichen sich alleine treffen oder die Jungen Erwachsene sich alleine treffen und jeder Mal die Rolle übernehmen kann also auch spontan.
01:05:31: dann Also wo es gar nicht immer so festgeschrieben sein muss
01:05:36: Was würdest du denn Menschen sagen sie noch nicht genau wissen ob selbst Hilfe was für Sie sein könnte?
01:05:43: ausprobieren.
01:05:45: Ich bin eine Freundin des Experiments an der Stelle oder der experimentellen Empirie, also probiert es aus.
01:05:57: Also zumindest im Wohnzimmer Neurodiverse, das ist eine Plattform.
01:06:01: Es kostet nichts an Geld.
01:06:03: Man ist nicht verpflichtet mit einem Klarnamen einzutreten.
01:06:07: Ich brauche eine E-Mail Adresse und es braucht eine Idee wie ich mich benennen will und dann melde ich mich an und dann kann ich mir schon mal diesen ganzen Bereich angucken.
01:06:16: Es ist mittlerweile auch so dass relativ gut strukturiert durchgeführt wird.
01:06:21: wir sind ja als Verein und auch mit der Plattform enorm schnell gewachsen.
01:06:27: Und da sind manchmal die Strukturen nicht so hinterhergekommen, also da gab es schon auch die Rückmeldung dass das zu unübersichtlich ist.
01:06:34: Also wenn ich mir das jetzt angucke Die Entwicklung über die letzten anderthalb zwei Jahre.
01:06:39: dann muss ich sagen Es ist deutlich strukturierter geworden Es gibt deutlich mehr Anleitung.
01:06:45: wo ich hingucke wie ich vorgehe Auch da, man kann einfach reinschreiben hey ich bin neu.
01:06:51: Wer hilft mir?
01:06:52: Ich suche das und dass wie finde ich den richtigen Platz?
01:06:55: so Und dann geht mein Mal in eine Gruppe rein oder fragt mal bei einer Gruppe an ob man dazukommen kann und findet dann einfach raus.
01:07:04: Passt mir das!
01:07:05: Also es ist wie...ich sag wie im richtigen Leben.
01:07:08: also ich probiere es einfach aus.
01:07:10: Ich gehe einfach hin, ich gucke einfach und wenn's mich nicht taugt bleibe ich wieder weg muss mich auch nicht sofort von der Plattform verabschieden.
01:07:18: Ich kann das dann ruhen lassen und mir das in drei Wochen wieder angucken, hingehen ausprobieren nachfragen.
01:07:24: Manche machen auch den Zwischenstab.
01:07:26: also jetzt im jungen Miet abmachen manche den Zwischensstab dass sie beide Anfrage reinschreiben.
01:07:32: Sie möchten vorher ein Gespräch also Sie möchten wissen was da auf sich zukommt.
01:07:37: easy in die Gruppe gehen.
01:07:38: ja natürlich ist es möglich.
01:07:41: ja also dann verabrede ich mich.
01:07:43: mit denen chatten wir entweder oder treffen uns eben auch online über unser Tool und verhandeln dann die Dinge, die wichtig sind für die Person.
01:07:55: Und ihr
01:07:56: habt ja sowohl Online-Gruppen als auch lokale Sachen.
01:08:00: also ich habe gelesen es gibt auch diese Spaziergänge in Berlin auch für neue diverse Menschen
01:08:08: Genau.
01:08:08: Es gibt Spaziergänge, man kann einfach seine Gruppe anmelden und wo immer sich treffen und wie immer sich treffen und trotzdem die Begleitung und Unterstützung des Wohnzimmers genießen.
01:08:20: also das bedarf dann eben auch einer kurzen Anmeldung Rückmeldungen und dann bestimmten Prozessen die durchlaufen werden gibt es aber bei uns zumindest eben immer auch das Know-how.
01:08:34: Wie gestalte ich so treffen und wie komme ich an Literatur?
01:08:37: Also wir haben auch noch Bibliothek, man kann sich auch Bücher ausleihen!
01:08:41: Bei uns gibt's viele... Infos auch von Fachpersonen, also immer wieder auch Webinare, Workshops kurze Vorträge die man dann auch besuchen kann so dass man irgendwie einfach auch sein Wissen Hintergrundwissen ausbauen kann.
01:08:56: Es gibt auch für Fachperson mittlerweile einen besonderen Bereich und wer halt Gruppe aufbauen oder leiten begleiten möchte, kann sich den Aktiven im Wohnzimmer anschließen und kriegt dann eben auch Unterstützung von allen anderen in dem Bereich Moderation.
01:09:14: Und wir bauen auch gerade Supervision so ein Stück aus weil es ja auch nicht einfach ist immer mit Erlebnissen, Erfahrungen umzugehen die in der Gruppe präsentiert werden oder weil es natürlich wie in allen Gruppen auch mal Zank und Streit geben kann dass man da auch als Moderatorin oder Gruppenleiterin nicht alleine steht.
01:09:34: Also es gibt wirklich von allen Ecken und Kanten Unterstützung im Wohnzimmer Neurodiverse.
01:09:40: Ja also wirklich großartige Arbeit die ihr da macht.
01:09:46: ganz großen Dank dafür weil sie macht das ja auch alles ehrenamtlich.
01:09:50: Ich würde dir gerne eine letzte Frage stellen, bevor wir dann zum Schluss kommen.
01:09:55: Wenn du über deine Arbeit in der Selbsthilfe ein Buch schreiben würdest?
01:09:58: Welchen Titel hätte dieses?
01:10:01: Ich denke so wäre sowas wie mit anderen zusammen bin ich weniger allein oder zusammen sind wir weniger allein.
01:10:09: also ich sehe das Potenzial von Selbsthilfen eben darin sich auszutauschen und Perspektiven zu öffnen, also einen Raum zu kriegen und den Blick zu weiten.
01:10:22: Also wenn ich in der Selbsthilfegruppe bin dann ja kann ich mich verstanden fühlen schneller verstanden füllen als in anderen Gruppen was Teijia auch sagt weil ich einfach sagen auch tatsächlich viele Jugendliche und junge Erwachsene klasse hier muss ich mich gar nicht erklären oder Du erlebst es genauso, andere verstehen das immer gar nicht.
01:10:49: Also allein das ist ja schon ein Wahnsinnsentlastungseffekt durch Gemeinsamkeit und das finde ich auch das Coole an Wohnzimmer Neurodiverse dass es eben online funktioniert.
01:11:01: also ich muss mich nicht unbedingt aus meinem Zimmer raus bewegen Ich kann in meinem Zimmer bleiben warum immer ich da drin sitze kann Kontakt mit anderen aufnehmen, die ähnlich wahrnehmen fühlen und denken wie ich.
01:11:17: Und kann die fragen ja?
01:11:20: Und allein dadurch dass es gespiegelt kriegt das es Ähnlichkeiten gibt fühle ich mich nicht mehr so ja so allein so einsam so einzigartig in einem negativen Sinn oder im ausgrenzenden Sinn.
01:11:32: und Ich kann auch lernen merke ich auch, dass das viele in der Gruppe passiert wo wir so einen Riesen-Altersunterschied haben.
01:11:42: Ich kann lernen davon wie die anderen damit umgehen, kann diese Impulse und Ideen auch nochmal aufnehmen.
01:11:49: und gerade im jungen Erwachsenenalter nehme ich ja eher Impulse von Piers auf als von meinen Eltern oder Lehrkräften oder anderen Leuten außen rum.
01:12:05: they hat das so gelöst, dann bin ich viel eher geneigt, dass auch mal für mich auszuprobieren.
01:12:12: Das an mich ran zu lassen und mit dem Altersunterschied kriege ich vielleicht auch eine Perspektive für mich selber.
01:12:20: also ich kann sehen ach ja da könnte es hingehen in drei vier fünf Jahren.
01:12:26: Also das sind für mich ganz wesentliche Aspekte der der Selbsthilfe und auch gerade der jungen Selbsthilfer sozusagen Perspektive zu eröffnen, rauszugehen, also aus der Isolation auszubrechen.
01:12:39: Und wenn sie nur gefühlt ist da es so zu sagen.
01:12:43: Ich finde das ein sehr schönes
01:12:44: Schlusswort.
01:12:46: Söge, danke dir dass du uns einen Einblick in die Arbeit vom Wohnzimmer Neurodiverse und deine Erfahrung mit dem Thema NeuroDiversität gegeben hast.
01:12:54: Schön, dass du bei uns warst!
01:12:56: Danke auch dir, Anne.
01:12:58: Ich habe mich sehr gefreut über diese Einladung zum Podcastgespräch und die sehr interessierte Auseinandersetzung mit den Angeboten rund um das Wohnzimmer und die junge Selbsthilfe im Wohnzimer hat mir Spaß gemacht.
01:13:12: Das freut mich!
01:13:19: Wir haben heute gehört
01:13:20: wie
01:13:20: unterschiedlich Neurodiversität eher und gelebt werden kann dass Diagnosen keine Schubladen sein müssen sondern Orientierung
01:13:28: geben können
01:13:30: Selbsthilfe ein Ort sein
01:13:31: kann,
01:13:32: an dem Menschen erleben
01:13:33: ich bin nicht
01:13:34: allein.
01:13:35: Und dass es oft gar nicht darum geht sich ja in eine vermeintliche Norm anzupassen sondern Wege zu finden
01:13:41: mit den
01:13:41: eigenen Stärken und Herausforderungen gut leben zu können.
01:13:45: Vielleicht nimmt ihr aus dieser Folge mit anders zu funktionieren bedeutet nicht weniger Wert zu sein aber es kann bedeuten
01:13:52: eine
01:13:52: andere Rahmenbedingung und Unterstützung
01:13:54: zu brauchen.
01:13:55: Wenn ihr euch in den Erzählungen wiedergefunden habt oder jemanden kennt, für den diese Folge hilfreich sein könnte
01:14:02: findet
01:14:02: ihr weiterführende Informationen Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen unter anderem auch vom Wohnzimmer Neuredivers in unseren Schaunots.
01:14:11: Danke dass ihr heute wieder zugehört habt.
01:14:13: ich bin Anne und freue mich wenn ihr auch bei der nächsten Folge dabei seid!
01:14:17: Wenn euch echte Stimmen gefällt empfehlt dem Podcast gerne weiter Selbst ein Thema habt, über das wir sprechen sollten oder selbst mal zu Gast im Podcast sein möchtet.
01:14:27: Dann schreibt uns gerne eine Mail an
01:14:29: echte-stimmen
01:14:31: et sickes-berlin.de.
01:14:34: Bis zum nächsten Mal!